„Wohnraum muss geschaffen werden, der für Mieter bezahlbar ist.“ Das will nicht nur die SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus in der Städteregion Aachen. Sie hat aber kompetente Gesprächspartner eingeladen, um hierüber zu reden. Im Kulturzentrum Altes Rathaus in Würselen trug Vorsitzender Jürgen Neesen ein „schwer zu verdauendes Beispiel“ ein Inserat als Beispiel für eine „völlig überteuerte“ Wohnung vor.

„Ein Thema, das uns nachhaltig beschäftigt“, betonte Walter Cremer aus Aachen, der die SPD-Senioren-Arbeitsgemeinschaft auf Landesebene leitet. Er moderierte den Austausch mit dem Geschäftsführer des Mietervereins, Hans Knops, Prof. Dr. Axel Thomas von der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG) der Städteregion Aachen und dem Regionsgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Ralf Wölk.

Knops, der seit 30 Jahren bei der Mieterselbsthilfeorganisation angestellt ist, beobachtet, „dass bezahlbarer Wohnraum immer weniger wird“. Die im Aachener Stadtgebiet geltenden Preise wirkten sich jetzt auf das Umland aus, beispielsweise in Würselen. Die seinerzeitige Veräußerung von Betriebswohnungen und der Verkauf kommunalen Wohnraumes verschärfen nunmehr das Problem. Die Umsetzung der gesetzlichen Mietpreisbremse hake im Detail.

Das Anwachsen des Hochschulstandortes lasse Vermieter ihr Eigentum so umgestalten, dass nunmehr in einer Wohnung drei Studierende in einer Gemeinschaft leben. Rentner brächten mitunter nicht mehr das Geld für die Nebenkosten auf.

Der Wohnungsmarkt bleibe dauerhaft schwierig, analysierte GWG-Geschäftsführer Thomas. Seine Gesellschaft habe den politischen Auftrag, in den nächsten Jahren hundert neue Wohnungen in der Region zu schaffen. Die demographische Entwicklung und der in unserer Region bei 40 Prozent liegende Anteil von Singlehaushalten führe zur verstärkten Nachfrage kleinerer Wohnungen, deren Herstellung aber teurer sei.

Die Zinspolitik sei für den Wohnungsmarkt eine besondere Herausforderung. Versorgungswerke, Banken und Investoren finden keine lukrativen Geldanlagemöglichkeiten, investieren daher in „Betongold“. Der Bau öffentlich geförderter Wohnungen sei nicht attraktiv, da genügend Geld im Umlauf sei, um ohne Auflagen und mit größeren Renditen freifinanziert zu bauen.

Die „erfrischend ehrlichen“ Auskünfte des GWG-Chefs erfreuten den DGB-Sekretär Wölk. Er bestätigte, „das viele Geld und die Marktmechanismen führten zu den gegebenen Fehlentwicklungen. „Kommunaler Wohnraum muss her“, forderte der Gewerkschafter, damit die Städte politisch handlungsfähig werden. Der Anteil des öffentlichen Wohnungsbaus sei seit mindestens 20 Jahren rückläufig. In der Stadt Aachen liege der öffentlich geförderte Wohnraum bei nur sieben Prozent. Die Mietpreise seien in der Städteregion seit 2014 um 14 Prozent gestiegen.

„Die Mieten galoppieren den Tarifverhandlungen davon“, sagte Ralf Wölk, und ergänzte, „im Moment verhandeln wir Gewerkschaften für die Vermieter.“ Das preisliche Problem liege bei den Wohnungen im unteren Preissegment. Das Thema Wohnungsbau dürfe die Politik nicht dem freien Spiel der Kräfte überlassen. Es sei an der Zeit, kommunale Wohnungsbaugesellschaften zu gründen. Die günstigen Finanzmarktbedingungen sollten hierfür genutzt werden. Erforderlich sei es auch, Wohnraumschutzsatzungen zu erlassen, um der steigenden Tendenz bei der Umwandlung in Ferienwohnungen zu begegnen. In der Diskussion mit den Anwesenden wurde klar, der Wohnungsbau für Ältere dürfe ebenso nicht vernachlässigt werden. In zentraler Lage nahe der Versorgungseinrichtungen seniorengerechte Wohnungen zu schaffen, sei eine „sehr spezielle Aufgabe“.

Geschäftsführer Axel Thomas von dem städteregionalen Unternehmen betonte, das von der GWG erwirtschaftete Geld fließe nicht als Gewinnausschüttung an die Gesellschafter, sondern dürfe investiert werden.

Älteren Menschen, die aus ihren angestammten Wohnungen zwecks Modernisierung herausgedrängt werden, damit der Eigentümer diese nachher wesentlich teurer vermieten kann, riet Mieterverein-Sprecher Knops: Nicht alles glauben, sich informieren, Beratung aufsuchen! „Es gibt Hilfen, sie müssen halt in Anspruch genommen werden.“ Er nannte die Verbraucherzentrale, seinen Verein und Rechtsanwälte.